ÖDP – Intelligent Wasser sparen – aber wie? (Kopie 1)

Vortrag und lebhafte Diskussion von Bernd Koppe und Dr. Anne Liefländer

ÖDP – Intelligent Wasser sparen – aber wie?

Vortrag und lebhafte Diskussion von Bernd Koppe und Dr. Anne Liefländer

Zur zweiten Veranstaltung der Reihe ÖDP – Nachgefragt trafen sich Mitglieder der ÖDP (Ökologisch-demokratische Partei) und Interessierte im Nebenzimmer des Gasthauses Schwenk in Bayreuth. Thema des Diskussionsabends war „Intelligent Wasser sparen – aber wie?“
Zunächst referierte der stellvertretende ÖDP-Kreisvorsitzende und Landtagskandidat Bernd Koppe über die Vorteile der Regenwassernutzung. Er zeigte auf, dass der Grundwasserspiegel durch die Bebauung und Versiegelung des  Bodens gesunken sei, auch weil für die Trinkwasserversorgung im Haushalt hauptsächlich Grundwasser genutzt würde. Regenwassernutzung könne zum Schutz des wertvollen tiefen Grundwassers beitragen. Durch einen geringeren Verbrauch würde weniger belastetes Wasser aus den oberen Schichten nachsickern, und die hohe Wasserqualität könne erhalten bleiben. Anhand eines Schaubilds zeigte Koppe, dass die Hälfte des Wassers in einem durchschnittlichen Haushalt durch die Toilettenspülung sowie durch das Wäschewaschen  verbraucht werde. Da man für diese beiden Vorgänge Regenwasser nutzen könne, könne hier eine große Menge Trinkwasser aus dem Grundwasser eingespart werden. Einen weiteren Grund zur Regenwassernutzung sah Koppe in der Entlastung der Abwasserkanäle sowie der Kläranlage bei Starkregen. Durch den Regenrückhalt würde weniger ungeklärtes Wasser in die Flüsse und Bäche gelangen. Gerade nach Starkregen sei es schon wiederholt - auch in unserer Gegend - zu Fischsterben gekommen.
Im weiteren Verlauf seines Vortrags berichtete Koppe über seine eigenen Erfahrungen im Bereich der privaten Regenwassernutzung. Er wies darauf hin, dass für die Regenwassernutzung im Haushalt zwei unterschiedliche, deutlich voneinander unterscheidbare Wasserleitungen verlegt werden müssten, da Regenwassernutzung zur Körperpflege oder gar Zubereitung von Nahrung nicht erlaubt sei. Aufgrund des niedrigen Trinkwasserpreises lohne sich außerdem eine Regenwasserzisterne nur sehr langfristig.
Frau Dr. Anne Liefländer vom Lehrstuhl für Didaktik der Biologie an der Universität Bayreuth bestätigte den ökologischen Nutzen von Regenwasserzisternen und regte vor allem deren Einplanung beim Neubau oder der Renovierung öffentlicher Gebäude an. Sie betonte aber, dass es heute in Deutschland gar nicht mehr sinnvoll sei, noch mehr Wasser zu sparen, weil durch den sinkenden Verbrauch technische und hygienische Probleme im Leitungsnetz entstünden. Liefländer führte aus, dass der Trinkwasserverbrauch pro Kopf in den letzten 20 Jahren so stark gesunken sei, dass sich im Rohrsystem, das für größere Wassermengen ausgelegt sei, bei geringerem Wasserverbrauch Verschmutzungen ablagerten, so dass es mit großen Mengen an Trinkwasser durchgespült werden müsse, was dann eine große Wasserverschwendung darstellte. Hier wäre eine Lösung, das Rohrsystem sukzessive zurückzubauen, was aber aus finanziellen Gründen im Moment noch nicht realisiert werde.
Jedoch hob Dr. Liefländer hervor, dass die Wasserverschmutzung in Deutschland verringert werden müsse: „Die Chemikalien, so zum Beispiel Desinfektionsmittel, Weichspüler Dufterfrischer für die Toilette, sind das eigentliche Problem.“ Außerdem wies Dr. Liefländer auf das Thema „virtuelles Wasser“ hin. In jedem Produkt, das man kaufen könne, zum Beispiel einem Kleidungsstück oder einem Kilo Rindfleisch, steckt eine große Menge „unsichtbares“ Wasser, das bei der Produktion des Gegenstandes verbraucht worden ist. Durch den Kauf solcher im Ausland unter Einsatz von großen Wassermengen produzierter Güter mache man sich verantwortlich für den Wassermangel in diesen Ländern, so Liefländer. Die Lösung für „intelligentes Wassersparen“ sei hier ein verändertes Kaufverhalten, bei dem man darauf achte, regional und saisonal einzukaufen und nicht zum Beispiel Obst aus Trockengebieten, das extra bewässert werden müsste.
Diese Meinung unterstützte auch Michael Wohlwend, Student der Geoökologie an der Universität Bayreuth.
Die Beiträge der Referenten lösten eine rege Diskussion aus. Der ÖDP-Bezirkstagskandidat Konrad Zimmermann,  schlug vor,  dass bereits bei der Erschließung neuer Baugebiete zwei Wasserleitungen verlegt werden sollten, um eine getrennte Versorgung mit Trink- und Brauchwasser in neu gebauten Häusern zu ermöglichen.
Auch in gewerblichen und öffentlichen Gebäuden mit hohem Wasserverbrauch (Universität) sollte man Regenwasserzisternen einbauen. Als Alternative zu privaten Regenzisternen könnten auch Zisternen zum Beispiel für ganze Siedlungen gebaut werden, die gleichzeitig auch dem Regenrückhalt dienen. Dort könnten sich die Kosten schneller rechnen. Eine weitere Idee wäre, eine finanzielle öffentliche Unterstützung für Personen einzurichten, die ihr Privathaus auf Regenwassernutzung umstellen wollen. Eine solche finanzielle Unterstützung durch die Kommunen fordert die ÖDP auch in ihrem landespolitischen Programm.
Anne Liefländer appellierte abschließend an die Zuhörer, den Verbrauch von virtuellem Wasser zu verringern. Dies stelle weltweit das größte „Wassersparproblem“ dar. Hierfür müsse könne beispielsweise der Fleischkonsum verringert, sowie biologisch und regional eingekauft werden.
Die nächste Veranstaltung der Reihe ÖDP-Nachgefragt findet im September statt.  


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