Suttner: „Wachstum ist nicht die Lösung sondern das Problem!“ (Kopie 1)

In einer Vortrags- und Diskussionsveranstaltung am Samstag, den 7. September 2013 in Bayreuth behandelte der langjährige Landesvorsitzende und heutige Landesbeauftragte für Grundsatzfragen der bayerischen ÖDP, Bernhard Suttner aus Windberg (Landkreis Straubing-Bogen) das Kernthema der ÖDP: Ist ständiges Wirtschaftswachstum möglich und erstrebenswert oder gefährden wir durch die Orientierung am „immer mehr“ letztlich die Zukunft und die Lebensqualität der kommenden Generationen?

Eingangs konfrontierte Suttner die Zuhörenden mit einer konkreten Zahl: „Laut Berechnung des Wissenschaftlichen Beirates für Globale Umweltveränderungen (WBGU) der Bundesregierung ist ein Ausstoß klimaschädlicher Gase  von 2,7 Tonnen pro Kopf und Jahr gerade noch verträglich für eine stabile Atmosphäre; wir Bundesbürger sind aber für 10 Tonnen pro Jahr verantwortlich!“ Ein einziger Flug von München nach New York und zurück bedeute einen Ausstoß von 4 Tonnen CO2 pro Passagier!  Es reiche angesichts der Tatsachen nicht mehr aus, endlich die modernsten Techniken mit höherer Effizienz zu nutzen und verstärkt auf nachwachsender Rohstoffe und Energieträger zu setzen. Man müsse sich auch mit dem Gedanken anfreunden, Unnötiges als Ballast zu sehen, verantwortlicher mit dem Heimatplaneten und seinen Vorräten umzugehen, sowie den alten Wert des „rechten Maßes“ und die Frage „wie viel ist genug?“ neu zu beleben. Das Ziel ständigen Wachstums der Wirtschaft sei einfach nicht erfüllbar, weil die endlichen Rohstofflager schon erheblich geplündert sind, die bebaubaren Flächen immer knapper werden und die immensen Mengen gasförmiger Abfälle die Atmosphäre aus dem Gleichgewicht bringen. Vor allem könne auch der Mensch selbst in der Arbeitswelt nicht weiter ohne schwere Schäden im zunehmenden Dauerstress gehalten werden. Die Wirtschaft der Zukunft müsse eine „Wirtschaft der Regionen mit kurzen Transportwegen und einer entspannteren Zeitstruktur sein.“ Die ÖDP sehe ein wertvolles gesellschaftliches Ziel in einer umfassenden Teilzeitorientierung. Allerdings müsse der Altersruhestand – wie von den kirchlichen Sozialverbänden KAB, Kolping und KDFB vorgeschlagen - durch eine steuerfinanzierte Grundrente gesichert sein, damit Teilzeit für mehr Menschen möglich werde. Es sei eine feststehende Tatsache, dass immer mehr Arbeitskräfte mehr Zeit für Familie und Kinder höher schätzen als zusätzliches Einkommen. Diesem Bedürfnis müsse eine intelligente Sozial- und Wirtschaftspolitik entgegenkommen. Der Redner plädierte für eine Abkehr vom „systematisch verengten und von  Werbung und großen Wirtschaftsunternehmen propagierten Wohlstandsbegriff: „ Echter Wohlstand ist vielfältiger und farbiger als ein bloßes Aufhäufen von Waren, ständiges Abgrasen von Unterhaltungsevent s und das Aneinanderreihen von Fernreisen“ behauptete Suttner und stellte dem verengten Wohlstandsbegriff eine Kombination aus „sicherer Grundversorgung, ausreichend Zeit für Muße und Erholung sowie intensiv-freundlichen und fairen  zwischenmenschlichen Beziehungen“ gegenüber. Der ständige Aufenthalt im „Hamsterrad des Wettbewerbs und der Geldvermehrung“ gefährde diesen echten Wohlstand. Daher sei materielles Wachstum der Wirtschaft „nicht die Lösung sondern eines der großen Probleme unserer Zeit“.


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